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WestLicht zeigt Mächtige und Stars ganz nah

May 31, 2026  Twila Rosenbaum  3 views
WestLicht zeigt Mächtige und Stars ganz nah

Das Wiener Fotomuseum WestLicht eröffnet am 31. Mai 2026 seine lang erwartete Ausstellung „People Power“ – ein Best-of des britischen Fotografen Platon. Die Schau versammelt rund 50 großformatige Porträts, die Machthaber, Pop-Ikonen und Aktivisten in einer seltenen Intimität zeigen. Platons Aufnahmen – oft auf den Covern des „Time Magazine“ verewigt – sind für ihre ungeschönte Direktheit bekannt. Der Fotograf, der mit bürgerlichem Namen Platon Antoniou heißt, schafft es, selbst die mächtigsten Menschen der Welt auf eine verletzliche und authentische Weise einzufangen.

Die Ausstellung im 7. Wiener Gemeindebezirk ist zugleich das 25-jährige Jubiläum des Fotografie-Forums WestLicht. Ex-Bundespräsident Heinz Fischer und Amtsinhaber Alexander Van der Bellen gratulierten per Videobotschaft. Van der Bellen betonte die Bedeutung solcher Orte, um Fotografie „historisch, technisch und wissenschaftlich“ einordnen zu können. Platon selbst hob hervor, dass unsere sich schnell bewegende Gesellschaft Orte brauche, die „Momente der Ruhe und des Nachdenkens“ bieten.

Platon: Der Fotograf der Macht und der Seele

Platon Antoniou, geboren 1968 in London als Sohn griechisch-zypriotischer Einwanderer, hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten einen Namen als einer der einflussreichsten Porträtfotografen der Welt gemacht. Seine Karriere begann in den frühen 2000er-Jahren, als er für Magazine wie „The New Yorker“, „Rolling Stone“ und vor allem das „Time Magazine“ arbeitete. Für Letzteres portraitierte er zahlreiche „Person of the Year“-Gewinner – darunter Wladimir Putin, Barack Obama und Mark Zuckerberg. Platons Stil ist unverwechselbar: Er rückt mit einer 50-mm-Festbrennweite extrem nah an sein Gegenüber heran, oft mit neutralem Hintergrund, sodass allein der Gesichtsausdruck und die Körperhaltung die Geschichte erzählen.

Im Gespräch mit Journalisten erklärte Platon bei der Vorbesichtigung der Ausstellung: „Jedes einzelne dieser Bilder zeigt einen Moment, in dem ich mir die Aufmerksamkeit und das Vertrauen einer Person verdienen musste.“ Diese Nähe erzeugt eine fast schon unangenehme Intimität – man sieht Falten, Tränen, versteckte Emotionen. Heavy-Metal-Ikone Ozzy Osbourne ist etwa mit einer Träne im Auge zu sehen, Silvio Berlusconi grinst verschmitzt, Sylvester Stallone bläst Zigarrenrauch in die Linse. Diese Momente sind keine Zufälle: Platon verbringt oft Stunden mit seinen Porträtierten, um sie aus ihrer öffentlichen Fassade zu locken.

Die Macht der Nahaufnahme

Die Ausstellung „People Power“ ist in thematische Blöcke gegliedert. Ein Saal ist ausschließlich Politikern gewidmet: Wladimir Putin, der mit zusammengekniffenen Augen und leicht geöffnetem Mund an einen Mafiaboss erinnert; Barack Obama, der ernst und nachdenklich in die Kamera blickt – Platon weigerte sich, ihn zum Lächeln zu bringen, weil das „Propaganda“ sei; Bill Clinton in der Sitzhaltung der Lincoln-Statue; und George W. Bush, der nach seiner Präsidentschaft darauf bestand, glücklich zu wirken. Daneben hängen Aufnahmen von Muammar Gaddafi und Donald Trump. Die Bilder sind so nah, dass man die Poren der Haut und die Unregelmäßigkeiten der Gesichtszüge erkennen kann.

Ein weiterer Raum zeigt Popkultur-Größen: Prince, der mit geschlossenen Augen und einer Mischung aus Verletzlichkeit und Arroganz posiert; David Beckham mit einem leichten Lächeln; Dr. Dre hinter einer Rauchwolke; Adele, die direkt in die Linse schaut; und Cate Blanchett in einer fast monochromen Aufnahme. Die Porträts von Muhammad Ali und Pussy Riot ergänzen das Spektrum. Besonders letztere – das russische Aktivistinnen-Kollektiv – sind als Gruppe in einer dynamischen, fast chaotischen Komposition festgehalten.

„Helden des Alltags“ und die Mächtigen unter den Machtlosen

Was die Ausstellung von anderen Porträtschauen unterscheidet, ist die Einbeziehung von Menschen ohne formelle Macht. Zwischen den Staatschefs und Filmstars hängen Fotografien von tibetischen Mönchen, schwer bewaffneten Polizisten in Konfliktzonen und Aktivisten aus Krisengebieten. Die Kuratoren nennen sie „Helden des Alltags“. Diese Bilder sollen – so Platon – „gelebte Demokratie“ zeigen, indem sie die „Mächtigen unter den Machtlosen“ präsentieren. Die Aufnahmen sind in den gleichen Stil gehalten: nah, direkt, ohne Retusche. Man sieht die Erschöpfung in den Augen eines Polizisten, die Entschlossenheit eines Mönchs, die Trauer eines Aktivisten.

Platon selbst betont seine Rolle als neutraler Beobachter: „Es steht mir nicht zu, zu beurteilen, ob jemand ein guter oder ein böser Mensch ist. Meine Aufgabe ist es, ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie es wirklich ist, mit diesen Menschen zusammen zu sein.“ Diese Haltung wird in der Ausstellung deutlich – die Porträts sind keine Urteile, sondern Einladungen, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Technik und Hintergrund

Platon verwendet ausschließlich analoge Mittelformatkameras und arbeitet mit natürlichem Licht oder einer einzigen Blitzanordnung. Die Negativfilme werden in Handarbeit entwickelt und die Abzüge in limitierten Auflagen hergestellt. Die in WestLicht gezeigten Drucke sind bis zu 1,5 Meter hoch und ermöglichen ein intensives Seherlebnis. Die Ausstellung ist vom 31. Mai bis 9. August 2026 im Fotomuseum WestLicht, Westbahnstraße 40, 1070 Wien zu sehen. Geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr. Der Eintritt kostet 12 Euro, ermäßigt 8 Euro.

Begleitend zur Schau erscheint ein Katalog im Verlag Fotoschatz, der alle ausgestellten Arbeiten sowie Essays von Kunsthistorikerin Martina Grießer und Ausstellungskurator Peter Coeln enthält. Zudem sind Führungen und Workshops für Schulklassen und Erwachsene geplant. Ein Vortrag von Platon am 3. Juni ist bereits ausverkauft.

Platons Werdegang und internationale Bedeutung

Platon begann seine Karriere in London, bevor er nach New York zog. 2004 fotografierte er erstmals das Cover des „Time Magazine“ – es zeigte den irakischen Diktator Saddam Hussein nach seiner Festnahme. Seither ist er für die wichtigsten Porträtserien des Magazins verantwortlich. Seine Bilder von Wladimir Putin auf dem Cover der „Person of the Year“ 2007 wurden weltweit diskutiert – manche sahen darin die Dämonisierung eines Machthabers, andere ein nüchternes Porträt der Macht. Ähnlich kontrovers war das Bild von Donald Trump, das 2016 auf dem Cover erschien: Trump mit zusammengebissenen Zähnen und einem trotzigen Blick.

Neben politischen Größen porträtierte Platon auch Menschenrechtsaktivisten, Künstler und Sportler. Sein 2012 erschienenes Buch „Platon: Porträts der Macht“ wurde ein Bestseller. Die Ausstellung in Wien ist seine zweite im WestLicht – die erste 2012 zeigte Arbeiten über die Vereinten Nationen. Seither ist Platon regelmäßiger Gast in Wien und bezeichnet die Stadt als inspirierenden Ort.

Die Schau „People Power“ wird bis in den August laufen und verspricht eine der wichtigsten Fotoausstellungen des Jahres in Österreich zu werden. WestLicht-Direktor Peter Coeln erklärte: „Platons Werk ist ein Spiegel unserer Zeit – er hält die Gesichter fest, die Geschichte schreiben, und die Gesichter derer, die sie erleiden.“ Die Besucher sind eingeladen, sich in den stillen Nahaufnahmen zu verlieren und darüber nachzudenken, was Macht mit Menschen macht – und was Menschen mit Macht machen.


Source: wien.ORF.at News


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