Die American Music Awards (AMA) 2026 haben einmal mehr gezeigt, dass die globale Musiklandschaft im Wandel ist. Die südkoreanische K-Pop-Sensation BTS setzte sich in der Königskategorie „Artist of the Year“ gegen eine illustre Konkurrenz durch: Taylor Swift, Lady Gaga, Bad Bunny und Kendrick Lamar hatten das Nachsehen. Damit unterstrich die siebenköpfige Boygroup ihren Status als eine der erfolgreichsten Bands der Gegenwart.
BTS: Ein Siegeszug ohne Ende
BTS, die aus den Mitgliedern RM, Jin, Suga, J-Hope, Jimin, V und Jungkook besteht, ist längst nicht mehr nur ein Phänomen des K-Pop. Seit ihrem Debüt im Jahr 2013 hat die Band weltweit Millionen von Alben verkauft und eine treue Fangemeinde – die sogenannte „ARMY“ – aufgebaut. Mit Hits wie „Dynamite“, „Butter“ und „Permission to Dance“ eroberten sie auch die westlichen Charts. Bei den AMA 2026 reichte es sogar für zwei Trophäen: Neben dem Hauptpreis gewann BTS auch den Award für den besten Sommer-Song mit der Single „Swim“. Der Song, der von einem entspannten Poolparty-Gefühl handelt, war ein absoluter Radiohit geworden.
„Wir können es immer noch nicht glauben“, sagte Bandleader RM in seiner Dankesrede. „Danke an unsere ARMY, die uns jeden Tag unterstützt. Und danke an die American Music Awards für diese Ehre.“ Die Performance von BTS während der Show wurde von Fans und Kritikern gleichermaßen gefeiert – eine spektakuläre Choreografie zu einer Medley aus ihren größten Hits.
Der Song des Jahres geht an „Golden“ aus Animationsfilm
Ein weiterer wichtiger Preis war der für den Song des Jahres. Ausgezeichnet wurde der Titel „Golden“, der aus dem Soundtrack des Netflix-Animationsfilms „KPop Demon Hunters“ stammt. Der Song, produziert von einem Team aus koreanischen und amerikanischen Musikern, vereint eingängige Pop-Melodien mit einem orchestralen Arrangement. Der Film selbst, der im Herbst 2025 veröffentlicht wurde, erzählt die Geschichte einer Gruppe von K-Pop-Idolen, die gegen übernatürliche Mächte kämpfen – eine Mischung aus Musik und Fantasy, die vor allem bei jungen Zuschauern einschlug.
Die weiteren Gewinner und Höhepunkte der AMA 2026
Die diesjährige Verleihung stand ganz im Zeichen internationaler Künstler. Die kolumbianische Sängerin Karol G wurde als beste internationale Künstlerin ausgezeichnet. Sie ist eine der einflussreichsten Stimmen des Latin Pop und Reggaetón und hat mit Alben wie „Mañana Será Bonito“ und „Provenza“ weltweit Erfolge gefeiert. In ihrer Dankesrede betonte sie die Bedeutung der lateinamerikanischen Musik in den USA: „Es ist eine große Freude, hier zu stehen und zu sehen, wie unsere Kultur immer mehr Anerkennung findet.“
Die K-Pop-Band Katseye, ein relativ neues Projekt aus Südkorea, wurde als „Newcomer des Jahres“ ausgezeichnet. Katseye besteht aus sieben Mitgliedern, die durch eine Reality-Show gecastet wurden – ähnlich wie bei den Anfängen von BTS. Ihr Debütalbum „Neon Nights“ war in Asien und den USA sehr erfolgreich. Die Band performte bei den AMA ihren Hit „Dance with the Devil“ und begeisterte das Publikum mit ihrer Energie.
Indie-Musiker Sombor – eine Überraschung der Nacht
Eine der emotionalsten Momente des Abends lieferte der 20-jährige Indie-Musiker Sombor. Er gewann sowohl den Preis für das beste Rock-/Alternative-Album als auch den für den besten Rock-/Alternative-Song. Mit seiner Single „Back to Friends“ hatte er einen unerwarteten Hit gelandet. „Ich habe diesen Song geschrieben, als ich 19 und ganz allein in meinem Schlafzimmer deprimiert war“, erzählte er sichtlich bewegt auf der Bühne. „Hier zu stehen, hätte ich nie erwartet. Danke an alle, die an mich geglaubt haben.“ Sombor, der ursprünglich aus einer Kleinstadt kommt, steht für eine neue Generation von Künstlern, die über soziale Medien bekannt wurden und mit authentischen, emotionalen Texten punkten. Sein Album „Dark Corners“ wurde von Kritikern als Meisterwerk des modernen Indie-Rocks bezeichnet.
Pussycat Dolls feiern Comeback – mit Busta Rhymes
Eine besondere Show-Einlage gab es von den Pussycat Dolls. Die ehemalige Girlgroup, die in den 2000er Jahren mit Hits wie „Don't Cha“, „Buttons“ und „Stickwitu“ weltberühmt wurde, feierte bei den AMA ihr lang ersehntes Comeback. Die Gruppe um Sängerin Nicole Scherzinger performte eine Medley ihrer größten Hits – und wurde dabei von Rapper Busta Rhymes unterstützt, der bei „Don't Cha“ einen neuen Rap-Part beisteuerte. Die Performance war eine Mischung aus Nostalgie und modernem Sound und sorgte für Standing Ovations. Die Pussycat Dolls hatten sich nach langer Pause wieder zusammengefunden und planen angeblich ein neues Album, das 2027 erscheinen soll.
Billy Idol für sein Lebenswerk geehrt
Die American Music Awards ehrten in diesem Jahr auch eine Rocklegende: Billy Idol, der 2026 seinen 70. Geburtstag feierte, erhielt den Preis für sein Lebenswerk. Der britische Sänger, bekannt für seine strohblonde Stachelfrisur, rebellische Attitüde und Hits wie „White Wedding“, „Rebel Yell“ und „Sweet Sixteen“, war in den 1980er Jahren einer der prägendsten Künstler des Mainstream-Punks. Seine Musik war ein Soundtrack für eine ganze Generation, und sein Image wurde durch MTV-Videos weltweit bekannt. In seiner kurzen Dankesrede bedankte sich Idol bei seinen Fans und Kollegen: „Rock 'n' Roll never dies. Danke, dass ihr mich so lange ertragen habt.“ Danach performte er seinen Klassiker „Rebel Yell“ mit voller Energie – ein Beweis, dass auch mit 70 noch die gleiche Power auf der Bühne steht.
Queen Latifah als Gastgeberin – eine Hommage an die Vielfalt
Durch die Show führte die amerikanische Sängerin, Schauspielerin und Talkmasterin Queen Latifah. Sie moderierte die Verleihung mit gewohnt souveräner Präsenz und betonte die Bedeutung von Vielfalt in der Musikszene. Queen Latifah selbst ist eine Ikone des Hip-Hop und R&B und hat sich als eine der ersten weiblichen Rapperinnen einen Namen gemacht. In ihrer Eröffnungsrede sagte sie: „Die American Music Awards feiern die Musik, die uns verbindet – egal ob Pop, Rock, Hip-Hop oder K-Pop. Heute Nacht sehen wir, wie Grenzen verschwinden.“ Ihre Moderation wurde als einer der Höhepunkte des Abends gelobt.
Hintergrund: Die American Music Awards
Die American Music Awards zählen zu den wichtigsten Musikpreisen der Welt. Sie wurden 1973 von Dick Clark ins Leben gerufen und zeichnen Künstler aus, die durch Verkaufszahlen, Radio-Airplay und sozialen Einfluss überzeugen. Anders als die Grammys werden die Gewinner durch Fanabstimmungen ermittelt – was die AMA zu einem Gradmesser der Popularität macht. In den letzten Jahren haben sich die Preise immer mehr geöffnet für internationale Acts, insbesondere aus dem asiatischen und lateinamerikanischen Raum.
BTS ist nicht die erste K-Pop-Gruppe, die bei den AMA erfolgreich war, aber die bislang erfolgreichste. Bereits 2021 hatten sie den Preis als Künstler des Jahres gewonnen und traten mehrfach auf. Die AMA 2026 waren jedoch die erste Verleihung, bei der gleich zwei K-Pop-Acts (BTS und Katseye) Preise mitnahmen. Branchenkenner sehen darin einen Trend: Der globale Musikmarkt wird zunehmend von nicht-englischsprachigen Künstlern geprägt, und die AMA spiegeln diese Entwicklung wider.
Nachhaltigkeit und soziale Themen bei der Gala
Auch abseits der Musikpreise gab es bewegende Momente. Mehrere Künstler nutzten die Bühne, um auf soziale und ökologische Probleme aufmerksam zu machen. So rief die Klimaaktivistin Greta Thunberg per Videobotschaft zu mehr Engagement in der Musikindustrie für Nachhaltigkeit auf. Die Pussycat Dolls kündigten an, einen Teil ihrer Tournee-Einnahmen an wohltätige Organisationen zu spenden. Billy Idol, der sich schon lange für Tierrechte einsetzt, widmete seinen Preis „allen Lebewesen, die keine Stimme haben“.
In der Kategorie „Beste soziale Botschaft“ – eine Sonderkategorie, die bei den AMA 2025 eingeführt wurde – gewann der US-Rapper Kendrick Lamar für seinen Song „The Heart Part 5“, der sich mit Rassismus und Polizeigewalt auseinandersetzt. Lamar war zwar in der Hauptkategorie leer ausgegangen, aber dieser Preis zeigte seine anhaltende Relevanz als kritischer Künstler.
Die American Music Awards 2026 bleiben damit in Erinnerung als eine Nacht der globalen Musikvielfalt, der emotionalen Momente und der unerwarteten Comebacks. BTS hat seinen Platz an der Spitze behauptet, aber auch Newcomer und Legenden bekamen ihren verdienten Applaus.