Trump in China: Ein roter Teppich und eine Botschaft an alle Chinesen
US-Präsident Donald Trump ist am Mittwochabend in Peking gelandet und wurde mit einem pompösen Empfang begrüßt, der seinesgleichen sucht. Chinesische Behörden inszenierten den Besuch als Demonstration von Stärke und Souveränität: roter Teppich, Ehrengarde, Militärkapelle und hunderte uniformierte Schüler mit Fähnchen beider Nationen. Der Flughafen war hell erleuchtet, entlang der Stadtautobahn wehten die Flaggen Chinas und der Vereinigten Staaten. Neun Jahre lang hatte kein US-Präsident chinesischen Boden betreten – nun markiert Trumps Ankunft den Beginn eines neuen Kapitels in den bilateralen Beziehungen.
Die Uhrzeit der Landung – exakt 19:53 Uhr Ortszeit – war minutiös geplant. Aus der Air Force One stieg Trump langsam die Gangway hinab, begleitet von seiner Frau Melania und Teilen seiner Delegation. Am Fuß der Treppe empfing ihn Chinas Vizepräsident Han Zheng. Ein Mädchen im roten Kleid überreichte einen Blumenstrauß, dann schüttelten sich die beiden Männer die Hände. Gemeinsam schritten sie den roten Teppich entlang, vorbei an der Ehrengarde, hin zu „The Beast“, der gepanzerten Limousine des US-Präsidenten, die eigens für diesen Besuch eingeflogen worden war. „Das wird eine aufregende Reise“, hatte Trump vor dem Abflug gesagt. „Es werden viele gute Dinge passieren.“
Ein Empfang mit doppelter Botschaft
Doch der Empfang war nicht nur freundschaftlich gemeint. Die Sicherheitsvorkehrungen rund um Pekings Innenstadt ließen keinen Zweifel daran, wer hier die Kontrolle hat. Straßen wurden gesperrt, Absperrgitter aufgestellt, Polizeifahrzeuge vor die Hotels der amerikanischen Delegation positioniert. Auch am Himmelstempel, den Trump am Donnerstag besuchen sollte, verschärften sich die Maßnahmen. Die Botschaft war eindeutig: Peking kontrolliert diesen Besuch bis ins kleinste Detail – und will dies auch der eigenen Bevölkerung signalisieren. In den sozialen Medien, in denen hunderttausende Chinesen die Live-Übertragung der Landung verfolgten, dominierten Kommentare wie „Unser Land ist stark!“. Der Empfang war nicht nur für Trump, sondern vor allem für das heimische Publikum inszeniert: China begegnet den USA auf Augenhöhe.
Der letzte US-Präsident, der China besuchte, war Barack Obama im Jahr 2016. Seitdem haben sich die Beziehungen zwischen den beiden Supermächten dramatisch verändert. Der Handelskrieg unter Trumps erster Amtszeit, die Technologiedebatte um Huawei und TikTok, die Spannungen um Taiwan und die anhaltende Rivalität im Bereich Künstlicher Intelligenz haben das Verhältnis belastet. Trumps zweiter Besuch – der erste fand 2017 statt, als Xi Jinping ihn durch die Verbotene Stadt führte – könnte nun entweder einen neuen Dialog anstoßen oder die Gräben vertiefen.
Hochkarätige Wirtschaftsdelegation
Trump reiste nicht allein: An seiner Seite befanden sich einige der einflussreichsten Wirtschaftsbosse der Welt. Elon Musk (Tesla), Tim Cook (Apple), Jensen Huang (Nvidia) und Larry Fink (Blackrock) gehörten zur Delegation, ebenso Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth. Die Anwesenheit dieser Namen unterstrich die wirtschaftliche Bedeutung des Gipfels. Themen wie Zölle, Halbleiter, Seltene Erden und Künstliche Intelligenz stehen auf der Agenda. Auch die Lage im Iran und die blockierte Straße von Hormus werden diskutiert. Die USA und China sind nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche Rivalen – und zugleich aufeinander angewiesen. Trumps Ansage, die US-Wirtschaft zu stärken und Arbeitsplätze zurückzuholen, trifft auf Chinas Anspruch, technologische Souveränität zu erreichen.
Bemerkenswert ist, dass Jensen Huang von Nvidia seine Einladung erst in letzter Minute erhalten hatte. Nvidia steht im Zentrum des Chip-Konflikts zwischen Washington und Peking. Die USA hatten Exportbeschränkungen für Hochleistungschips an chinesische Firmen verhängt, um den technologischen Fortschritt der Volksrepublik zu bremsen. Huang persönlich hatte mehrfach vor den negativen Folgen dieser Politik gewarnt. Seine Teilnahme an der Reise könnte ein Signal sein, dass die US-Wirtschaft nach pragmatischen Lösungen sucht.
Der Gipfel beginnt am Donnerstagmorgen in der Großen Halle des Volkes. Geplant sind Gespräche, ein Bankett und ein Abstecher zum Himmelstempel – eine symbolträchtige Location, die an Obamas Besuch 2009 erinnert. Damals sprach Obama dort von einer „neuen Ära“ der Zusammenarbeit. Heute, 16 Jahre später, ist das Verhältnis von Misstrauen geprägt. Trump hat sich in den vergangenen Wochen mehrfach kritisch über Chinas Handelspraktiken geäußert und mit neuen Zöllen gedroht. Xi Jinping dagegen betont immer wieder Chinas Friedfertigkeit und Bereitschaft zur Kooperation – allerdings zu eigenen Bedingungen.
Historische Dimension des Besuchs
Die symbolische Bedeutung des roten Teppichs darf nicht unterschätzt werden. Seit dem Ende des Kalten Krieges haben alle US-Präsidenten China besucht: George H.W. Bush reiste 1989, Bill Clinton 1998, George W. Bush 2005, Barack Obama 2014 und 2016. Die Lücke von neun Jahren ohne Präsidentenbesuch ist ungewöhnlich – sie spiegelt die wachsende Rivalität und die Pandemie wider. Dass Trump nun als erster Präsident seit Jahren wieder nach Peking kommt, ist ein diplomatischer Coup für Chinas Führung. Sie kann zeigen, dass China weiterhin ein unverzichtbarer Gesprächspartner ist, den auch ein US-Präsident nicht ignorieren kann.
Gleichzeitig sind die Erwartungen gedämpft. Beobachter rechnen nicht mit einem Durchbruch in den großen Streitfragen. Dafür sind die Positionen zu verhärtet. China wird nicht von seinen Ansprüchen auf Taiwan abrücken, und die USA werden nicht auf ihre Technologievorteile verzichten. Doch das persönliche Gespräch zwischen Trump und Xi könnte dennoch neue Dynamiken schaffen. Trump hat in seiner ersten Amtszeit mehrmals die persönliche Beziehung zu Xi betont – auch wenn er gleichzeitig harte Handelsbedingungen durchsetzte. Diese Ambivalenz wird auch diesen Besuch prägen.
Die Sicherheitsvorkehrungen bleiben bis zum letzten Moment streng. Die Stadt Peking ist in Teilen abgeriegelt, der Luftraum über dem Zentrum gesperrt. Verkehrsstörungen sind großflächig zu erwarten. Die Pekinger Bevölkerung beobachtet das Spektakel mit gemischten Gefühlen: Stolz auf die eigene Nation, aber auch Skepsis gegenüber dem US-Präsidenten, der in China oft als unberechenbar gilt. Die offiziellen Medien berichten ausführlich und betonen die Gastfreundschaft Chinas. Die Botschaft ist klar: China empfängt den mächtigsten Mann der Welt mit Respekt, aber ohne Unterwürfigkeit.
Trumps Aufenthalt ist auf drei Tage angelegt. Neben den politischen Gesprächen sind auch kulturelle Programmpunkte geplant. Der Besuch des Himmelstempels ist ein Höhepunkt – dort soll Trump die traditionelle chinesische Kultur erleben. Ob er dabei auch das berühmte „Harmonie“-Modell der chinesischen Diplomatie verstehen wird, bleibt abzuwarten. Die kommenden Tage werden zeigen, ob der rote Teppich am Flughafen der Auftakt zu einer neuen Phase der Kooperation war – oder nur eine gut inszenierte Kulisse, hinter der die alten Konflikte unvermindert weiterbrodeln.
Source: Süddeutsche.de News