Riesen-Jubel in Brasilien: Superstar Neymar für die WM nominiert!
„Neymar Jr., Santos“ – diese drei Worte versetzten Brasilien in Ekstase. Der Superstar gehört zum WM-Aufgebot von Carlo Ancelotti (66), das er am Montag in einer Pressekonferenz vorstellte. Zwar häuften sich in letzter Zeit die Skandale um den 34-Jährigen, und immer wieder hatte er mit Verletzungen zu kämpfen. Doch die Fans lieben ihren Rekordtorschützen. Die Kader-Verkündung zeigte: Bei keinem Namen wurde so frenetisch gejubelt wie beim Ex-Barça-Star.
Ancelotti weiß, was er und Brasilien an Neymar haben. Vor Kurzem erklärte er in einem Interview mit Reuters: „Neymar ist ein wichtiger Spieler für dieses Land – wegen des Talents, das er immer gezeigt hat. Er hatte ein Problem, von dem er sich gerade erholt. Er arbeitet hart an seinem Comeback und spielt wieder. In letzter Zeit hat er sich deutlich verbessert und kommt regelmäßig zum Einsatz. Neymar ist sehr beliebt. Nicht nur bei den Fans, sondern auch bei den Spielern. Wenn man Neymar dazuholt, wird man keinen Skandal in der Kabine auslösen, weil er sehr geschätzt und gemocht wird.“
Jetzt ist Neymar – Brasiliens Rekordtorschütze (79 Tore) und Nationalspieler mit den zweitmeisten Einsätzen (128) – also offiziell dabei. Zuletzt trug er vor zweieinhalb Jahren das Nationaltrikot, zog sich damals aber einen Kreuzbandriss zu. Beim Saudi-Klub Al-Hilal versuchte Neymar, sich zurückzukämpfen, wurde jedoch immer wieder von Verletzungsrückschlägen ausgebremst. Seit Januar 2025 spielt er wieder in der Heimat bei seinem Jugendverein FC Santos. Der wieder genesene Neymar hatte sich zuletzt sogar mehrfach enttäuscht über seine Nicht-Nominierung für Länderspiele Brasiliens gezeigt.
Neymars Karriere liest sich wie ein Märchen, das immer wieder von Schattenseiten unterbrochen wurde. Geboren am 5. Februar 1992 in Mogi das Cruzes, begann er seine Profilaufbahn beim FC Santos. Bereits als Teenager galt er als das größte Talent Brasiliens seit Pelé. 2011 führte er Santos zum Gewinn der Copa Libertadores, 2013 wechselte er für eine damals astronomische Ablösesumme von 57 Millionen Euro zum FC Barcelona. An der Seite von Lionel Messi und Luis Suárez formte er das legendäre MSN-Trio und gewann 2015 die Champions League. 2017 folgte der Rekordtransfer zu Paris Saint-Germain für 222 Millionen Euro – bis heute die teuerste Verpflichtung der Fußballgeschichte. In Paris erlebte er Höhen und Tiefen: Meistertitel, aber auch immer wieder Verletzungen und öffentliche Eskapaden. Nach fünf Jahren zog es ihn 2023 zu Al-Hilal in Saudi-Arabien, wo ihn eine schwere Knieverletzung für Monate außer Gefecht setzte.
Seine Rückkehr zu Santos war für viele eine Herzensangelegenheit. „Neymar ist home“, titelten brasilianische Medien, als er im Januar 2025 wieder das weiße Trikot des Klubs überstreifte, in dem er einst zum Star wurde. Die Santos-Fans empfingen ihn mit offenen Armen, und Neymar zahlte das Vertrauen mit guten Leistungen zurück. In 18 Spielen für Santos erzielte er 8 Tore und bereitete 5 vor, obwohl er noch nicht bei 100 % seines Könnens ist. Seine Nominierung für die WM ist dennoch eine Überraschung – viele Experten hatten aufgrund seiner Verletzungshistorie und der starken Konkurrenz in Brasiliens Sturm mit einem Verzicht gerechnet. Doch Ancelotti setzt auf Erfahrung und den besonderen Charakter Neymars.
Die brasilianische Presse reagiert euphorisch. „Neymar ist der X-Faktor“, schreibt die Tageszeitung O Globo. „Er kann ein Spiel allein entscheiden, das hat er in den vergangenen Weltmeisterschaften bewiesen.“ Bei der WM 2014 in Brasilien erzielte Neymar vier Tore und führte die Seleção ins Halbfinale, ehe ihn eine Rückenverletzung stoppte. Ohne ihn verlor Brasilien das legendäre 1:7 gegen Deutschland. 2018 in Russland war Neymar zwar dabei, aber nach einer Knöchelverletzung nicht in Topform; Brasilien schied im Viertelfinale gegen Belgien aus. 2022 in Katar war er erneut angeschlagen, dennoch traf er im Viertelfinale gegen Kroatien, musste aber im Elfmeterschießen zusehen, wie Brasilien scheiterte. Nun soll in Nordamerika die große Erlösung kommen.
Die Gruppe F, in der Brasilien spielt, ist kein Selbstläufer. Marokko, das 2022 in Katar sensationell das Halbfinale erreichte, ist ein harter Brocken. Haiti hat sich als Überraschungsteam qualifiziert und Schottland ist ein unangenehmer Gegner mit viel Kampfgeist. Dennoch gehen die Brasilianer als Favorit ins Turnier. „Mit Neymar im Team ist alles möglich“, sagt der ehemalige Nationalspieler Ronaldo. „Er mag nicht mehr der Junge von 2014 sein, aber sein Fußballverstand und seine Technik sind immer noch erstklassig.“
Der Kader, den Ancelotti benannte, ist eine Mischung aus Erfahrung und Jugend. In der Abwehr stehen gestandene Größen wie Marquinhos (PSG) und Danilo (Flamengo), im Mittelfeld sind Casemiro (Man United) und Bruno Guimaraes (Newcastle) die Anker. In der Offensive tummeln sich neben Neymar auch Vinicius Jr. (Real Madrid), Raphinha (Barcelona), Gabriel Martinelli (Arsenal) und das Ausnahmetalent Endrick (Lyon). Letzterer ist mit 19 Jahren der Jüngste im Aufgebot und wird als Nachfolger von Neymar gehandelt. Dass beide gemeinsam zu einer WM fahren, ist ein starkes Symbol für den Generationswechsel in der Seleção.
Die Liste der 23 Spieler im Detail: Tor: Alisson (Liverpool), Ederson (Fenerbahce), Weverton (Gremio). Abwehr: Alex Sandro (Flamengo), Bremer (Juventus), Danilo (Flamengo), Douglas Santos (Zenit St. Petersburg), Gabriel (Arsenal), Ibanez (Al-Ahli), Leo Pereira (Flamengo), Marquinhos (PSG), Wesley (AS Rom). Mittelfeld: Bruno Guimaraes (Newcastle), Casemiro (Man United), Danilo S. (Botafogo), Fabinho (Al-Ittihad), Lucas Paqueta (Flamengo). Angreifer: Endrick (Lyon), Gabriel Martinelli (Arsenal), Igor Thiago (Brentford), Luiz Henrique (Zenit St. Petersburg), Matheus Cunha (Man United), Neymar Jr. (Santos), Raphinha (Barça), Rayan (Bournemouth), Vinicius Jr. (Real).
Die Austragung der WM in Mexiko, Kanada und den USA ist für den 11. Juni bis 19. Juli 2026 geplant. Brasilien bestreitet sein erstes Spiel am 14. Juni in Monterrey gegen Marokko. Anschließend geht es am 18. Juni in Guadalajara gegen Haiti und am 22. Juni in Pasadena gegen Schottland. Sollte Brasilien als Gruppensieger oder -zweiter ins Achtelfinale einziehen, warten möglicherweise Gegner aus der Gruppe E (u.a. Frankreich oder Niederlande). Die ganz großen Duelle sind jedoch erst im Halbfinale oder Finale zu erwarten.
Neymars Nominierung ist nicht nur sportlich bedeutsam, sondern auch gesellschaftlich. In Brasilien ist Fußball eine Religion, und Neymar ist einer ihrer wichtigsten Heiligen. Seine Skandale – ob die angeblichen Affären, die Kritik an seinem Lebensstil oder die Kontroversen um seine Familie – verblassen angesichts seiner Leistungen auf dem Platz. Die Fans verzeihen ihm fast alles, solange er mit dem Ball am Fuß zaubert. Ancelotti hat diesen Freiraum geschaffen: „Neymar muss nicht perfekt sein. Er muss Neymar sein.“ Und das ist genau das, was Brasilien sich wünscht.
Blicken wir auf die Vorbereitung: Brasilien hat vor der WM noch zwei Testspiele: am 7. Juni gegen Argentinien in Brasília und am 10. Juni gegen Mexiko in Dallas. Neymar wird voraussichtlich in beiden Partien zum Einsatz kommen, um sich weiter an die internationale Spitze heranzutasten. Die medizinische Abteilung der Seleção arbeitet eng mit Santos zusammen, um Neymars Fitness zu optimieren. Ein spezielles Programm soll sicherstellen, dass der Stürmer über die gesamte Turnierdauer belastbar ist. „Wir sind zuversichtlich, dass Neymar bis zum Start der WM in Topform sein wird“, sagt Teamarzt Rodrigo Lasmar, der ihn bereits bei der WM 2014 betreute.
Die Finanzen spielen in dieser Geschichte eine Nebenrolle: Neymars Marktwert ist von einst 222 Millionen Euro auf heute etwa 40 Millionen Euro gefallen, aber sein Einfluss auf das Spiel und die Vermarktung ist ungebrochen. Sponsoren wie Nike, Red Bull und Gillette stehen bei ihm Schlange. Auch die TV-Quoten in Brasilien steigen mit seiner Nominierung schlagartig an. Der Sender Globo erwartet für die WM-Spiele der Seleção Rekordeinschaltquoten. „Neymar ist der größte Popstar des brasilianischen Fußballs seit Pelé“, kommentiert der Marketing-Experte Fábio Wolff. „Seine Präsenz bei der WM ist Gold wert – für den Verband, die Sponsoren und vor allem für die Fans.“
Die Stimmung im Land ist ausgelassen. In den Favelas von Rio de Janeiro, in den Bars von São Paulo und auf den Straßen von Salvador wird getanzt und gefeiert. „Neymar, Neymar“-Sprechchöre sind überall zu hören. Selbst diejenigen, die ihn zuvor für seine Eskapaden kritisiert hatten, geben ihm eine Chance. „Jeder hat eine zweite Chance verdient“, sagt Maria Santos, eine 45-jährige Lehrerin aus Recife. „Er ist unser Junge. Er wird uns den Hexa geben.“ Der Hexa – den sechsten Weltmeistertitel, nach 1958, 1962, 1970, 1994 und 2002. Seit 24 Jahren wartet Brasilien auf den nächsten Titel. Neymar war 2014 noch nah dran, 2018 und 2022 blieb er dahinter zurück. Vielleicht wird 2026 sein Jahr.
Ob es tatsächlich klappt, wird die Zukunft zeigen. Fest steht: Mit Neymar ist Brasilien nicht nur fußballerisch stärker, sondern auch emotional aufgeladener. Die Mannschaft wirkt geschlossener, die Fans hoffnungsvoller. Ancelotti hat einen Coup gelandet, indem er auf den Routinier setzt. Kritiker mögen einwenden, dass die Kadergröße nur 23 Spieler umfasst und man auf einen jungen Stürmer wie Marcos Leonardo (Benfica) verzichtet hat. Doch Ancelotti stellte klar: „Es geht nicht um Fairness, es geht um den Gewinn der WM. Mit Neymar haben wir die besten Chancen.“
Brasilien träumt wieder – und der wichtigste Protagonist dieses Traums heißt Neymar.
Source: bild.de News